Flughafen BER: Flugrouten auch über Müncheberg

[Anzeige]
Flughafen BER: Flugrouten auch über Müncheberg
BER - Flugrouten bei Westwetterlage (Stand: Juni 2012)

Müncheberg. Wo andernorts Bürgerinitiativen und ganze Gemeinden schon seit Jahren über Unterschriftensammlungen, Demonstrationen, Internetblogs, und aktuell über ein Volksbegehren, versuchen, intensiv Einfluss auf die künftigen Flugrouten und den Flugbetrieb des künftigen Großflughafens zu nehmen, ist es mancherorts in Märkisch-Oderland ziemlich ruhig. „Wir sind doch gar nicht betroffen…“ wird der Eine oder Andere denken. Aber ist es tatsächlich so?  Wer sich die endgültigen Flugrouten, die bereits vor Wochen von der Deutschen Flugsicherung veröffentlicht wurden, anschaut, wird feststellen, dass dem nicht so ist. Wo Müncheberg, unabhängig von Ost- oder Westwetterlage, bei Abflügen vom künftigen Flugverkehr nicht betroffen sein wird, befindet sich die Stadt bei Westwetterlage eben ziemlich genau in der Einflugschneise des Berlin-Brandenburger Jahrhundertprojekts. Wie die Stadtverwaltung Müncheberg im Amtsblatt vom 24. September 2012 informiert, betrifft es die Gemeinde im Durchschnitt, und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen,  in zwei Dritteln der Zeit des Jahres, denn in diesem Zeitraum herrscht Westwetterlage, wo mit Überflügen zu rechnen ist.  Aus technischer Sicht wird schnell klar, warum es eigentlich auch gar nicht anders geht. Gemäß internationalen Vorschriften dürfen auf den letzten 10 Seemeilen, das entspricht einer Entfernung von 18,5 Kilometer, im Landeanflug keine Richtungswechsel mehr erfolgen. In dieser Strecke erfolgt der Sinkflug bis hin zum Aufsetzpunkt mit konstant 3 Grad, was pro Kilometer rund 55 Höhenmeter ausmacht. Das bedeutet, dass der Landeanflug rund 20 km vor dem Aufsetzen der Maschinen in einer Höhe von ungefähr 1.000 Meter beginnt. Zuvor hat der Flieger, auch das schreiben die Vorschriften vor, mindestens 2 Seemeilen (ca. 3,6 km) im Horizontalflug zurückzulegen. Um nun bei erhöhtem Flugaufkommen einen zügigen Landebetrieb abwickeln zu können, wurde durch die Deutsche Flugsicherung im Bereich zwischen Strausberg und Fürstenwalde ein Korridor eingerichtet, um die ankommenden Flugzeuge in die Anflugroute „einzufädeln“. Dieser Korridor erstreckt sich über Müncheberg hinweg bis in Höhe Seelow und Letschin. Umso höher also das Flugaufkommen sein wird, was hauptsächlich in den Stoßzeiten am Morgen und am Abend sein wird, destso weiter hinten müssen sich ankommende Flüge einreihen. Die Mindestflughöhe beträgt in dieser Warteschleife 1.600 Meter, was schon ein kleiner Erfolg ist. Denn ursprünglich wurde die Mindestflughöhe mit nur 900 Meter angeregt.Auch wenn sich nun erster Widerstand in Märkisch-Oderland formiert, so bleiben doch Zweifel, ob an den Flugrouten zum jetzigen Zeitpunkt noch zu rütteln ist, denn die Würfel sind bereits mit der Entscheidung für den Standort Schönefeld gefallen. Einfluss nehmen kann der Bürger jedoch noch auf die Flugzeiten. Denn bereits seit 4. Juni dieses Jahres läuft ein Volksbegehren „Für eine Änderung des § 19 Absatz 11 des Landesentwicklungsprogrammes zur Durchsetzung eines landesplanerischen Nachtflugverbotes am Flughafen Berlin Brandenburg International (BER)!“ Aktuell besteht für den künftigen Flughafen BER ein Nachtflugverbot für Linienflüge im Zeitraum zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr. Die Randzeiten zwischen 23.30 Uhr und 0.00 Uhr, sowie zwischen 5.00 Uhr und 5.30 Uhr sind nur bei Verspätungen bzw. Verfrühungen erlaubt, regulärer Linienverkehr jedoch nicht. Ansonsten ist für die Zeiten zwischen 22.00 und 0.00 Uhr und zwischen 5.00 und 6.00 Uhr ein Kontingent festgelegt, nach dem durchschnittlich 77 und höchstens 103 Flugbewegungen stattfinden dürfen. Für die Zeiten zwischen 23.00 Uhr und 0.00 Uhr Uhr und für die Zeit zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr sind dabei höchstens 31 Flugbewegungen erlaubt. Durch das Volksbegehren soll ein Volksentscheid über ein Nachtflugverbot erreicht werden. Dazu sind mindestens 80.000 Unterschriften erforderlich. Die Initiatoren möchten erreichen, dass die Bürger in Berlin und Brandenburg darüber abstimmen, ob in der Zeit zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr ein generelles Nachtflugverbot verhängt wird. Wer also auch über ein Nachtflugverbot mit abstimmen möchte, kann noch bis zum 3. Dezember 2012 in allen Gemeinde- und Stadtverwaltungen seine Unterschrift abgeben.
Die Flugrouten stehen jetzt erst einmal fest. Ob sie so Bestand haben werden, wird sicherlich der laufende Betrieb des künftigen Großflughafens zeigen. Inwieweit ein Nachtflugverbot kommt, hängt letztendlich auch von den Bürgern und der Beteiligung am Volksbegehren ab.

BER - Flugrouten bei Westwetterlage (Stand: Juni 2012)
BER – Flugrouten bei Westwetterlage (Stand: Juni 2012)
BER - Flugrouten bei Ostwetterlage (Stand: Juni 2012)
BER – Flugrouten bei Ostwetterlage (Stand: Juni 2012)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*